Tipps zu Rechts- und Versicherungsfragen

Der Bauvertrag

Der Abschluss des Bauvertrages ist eine erste wesentliche Weichenstellung zum eigenen Heim. Im Rahmen der Vertragsverhandlungen sollte von den Bauwilligen wesentliches Augenmerk auf folgende Punkte gelegt werden:

Pauschalpreis

Ein Pauschalpreis gewährt Preissicherheit. Marktüblich ist eine Festpreisgarantie von mindestens zwölf Monaten. Das Vertragsrisiko sollte dadurch minimiert werden, dass Leistungsumfang, Art und Qualität der Baustoffe und Materialien sowie der Ausstattungsgrad so konkret wie möglich beschrieben werden. Hilfreich hierbei sind die vom Bundesbauministerium herausgegebenen Mindestanforderungen an Bau- und Leistungsbeschreibungen.

Publikationen: www.bmub.bund.de > Service > Publikationen

Zahlungspläne

Verhandeln Sie einen detaillierten Zahlungsplan, der genau mit dem Baufortschritt korreliert. Achten Sie darauf, eventuelle Baumängel rechtzeitig anzuzeigen und auf deren Beseitigung mit Nachdruck zu bestehen. Bis zur Abnahme des Bauvorhabens ist der Werkunternehmer vorleistungspflichtig. Hier sollte vor Zahlung der jeweils nächsten Rate Mängelbeseitigung eingefordert werden.

Baubeginn, Bauzeit und Fertigstellung

Achten Sie darauf, dass im Bauvertrag eine Vertragsstrafe für Bauzeitüberschreitung klar definiert ist.

Sicherheitsleistung

Verlangen Sie von den bauausführenden Firmen eine Gewährleistungsbürgschaft für die Fertigstellung des Bauwerks und die anschließende Mängelgewährleistung. Lassen Sie den Text einer diesbezüglichen Bürgschaft vor Vertragsabschluss von einer erfahrenen Rechtsanwältin/einem erfahrenen Rechtsanwalt prüfen.

Förmliche Abnahme und Abnahmeprotokoll

Bestehen Sie auf die Durchführung einer förmlichen Abnahme und Fertigung eines Abnahmeprotokolls, in dem auch die noch zu behebenden Mängel und Restarbeiten aufzunehmen sind.

Verjährung von Baumängeln

Häufig treten Mängel erst nach Bezug eines Gebäudes auf. Das BGB kennt im Bereich des Werkvertragsrechts eine fünfjährige Verjährungsfrist, wohingegen nach VOB/B Verjährung in vier Jahren eintritt. Hier sollte vertraglich die längere Frist festgesetzt werden.

Vergabe von Bauleistungen

Von Bauherrinnen/Bauherren beauftragte Architektinnen/Architekten fungieren als treuhänderische Sachwalterinnen/Sachwalter der Bauherrinnen/Bauherren gegenüber allen anderen am Bau Beteiligten. Sie koordinieren alle Fachdisziplinen wie z. B. Tragwerksplanung, Gebäudetechnik und Bauphysik und sorgen dafür, dass diese Leistungen den Nutzungsanforderungen entsprechend erbracht werden und gute, anforderungsgerechte Architektur entsteht. Die unabhängige, umfassende und kompetente Beratung steht im Verhältnis Bauherrin/Bauherr - Architektin/Architekt immer im Vordergrund.

Weitere Informationen:

Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein

Düsternbrooker Weg 71, 24105 Kiel
0431 570 65 0
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Selbsthilfe und Eigenleistung

Eigenleistung

Eigenleistung beim Bau kann zu einer hohen Kosteneinsparung führen. Viele Banken erkennen Eigenleistung beim Hausbau als Teil des Eigenkapitals an (zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Bausumme). Dazu gehören z. B. Maler- und Tapezierarbeiten, Anlegen des Gartens, Fußbodenbeläge verlegen u. v. m.

Nachbarschaftshilfe

Eine unentgeltliche Hilfe von Bekannten auf Gegenseitigkeit oder aus Gefälligkeit ist vom Gesetzgeber erlaubt. Unter Schwarzarbeit fallen alle Arbeiten, die jemand gegen Entgelt verrichtet, für die weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Schwarzarbeit ist verboten und wird streng bestraft.

Wenn die Bauherrin/der Bauherr selbst auf der Baustelle tätig wird, ist sie/er für sich und die Sicherheit der Helfenden verantwortlich. Sie/Er muss nötige Schutzmaßnahmen treffen und die Baustelle absichern. Zudem ist es erforderlich, die Helfenden, auch wenn sie unentgeltlich arbeiten, bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) anzumelden. Wichtig ist auch der Abschluss einer Unfallversicherung.

Versicherungen rund ums Bauen

Bauherrenhaftpflichtversicherung

Für Unfälle auf der Baustelle, z. B. wenn ein spielendes Kind in die Baugrube stürzt oder ein Autounfall wegen herumfliegender Planen verursacht wird, haftet die Bauherrin/der Bauherr unbegrenzt. Für alle, die ein Haus bauen, ist daher eine Bauherrenhaftpflichtversicherung unerlässlich. Schließen Sie die Bauherrenhaftpflicht bereits beim Grundstückskauf ab, wenn Sie absehen können, dass das Gebäude innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt wird. Die Haftpflicht für das unbebaute Grundstück wird so bereits vor Baubeginn ohne Zusatzkosten mitversichert.

Unfallschutz für Bauherrinnen/ Bauherren und Helfende

Mit der Baugenehmigung wird der Bauherrin/dem Bauherren ein "Merkblatt für Bauherren über die gesetzliche Unfallversicherung der bei Bauarbeiten beschäftigten Personen" ausgehändigt. Die/Der private Bauherrin/Bauherr als Unternehmerin/Unternehmer nichtgewerbsmäßiger Bauarbeiten hat alle Verpflichtungen einer Unternehmerin/eines Unternehmers gegenüber der Bauberufsgenossenschaft Hamburg zu erfüllen. Alle Helfenden, die dauernd oder auch nur vorübergehend im Rahmen der Bauarbeiten beschäftigt werden, sind gesetzlich gegen die Folgen von Arbeitsunfällen über die Bauherrin/den Bauherren als Unternehmerin/Unternehmer unfallversichert. Unerheblich ist es, ob ein Arbeitsentgelt gezahlt wird oder nicht.

Absicherung des Bauobjektes vor dem Einzug

Die Bauleistungsversicherung (auch Bauwesenversicherung oder Bauversicherung) schützt Bauunternehmerinnen/Bauunternehmer und Bauherrinnen/Bauherren vor Schäden, die unvorhersehbar sind und während der Bauzeit auftreten (z. B. Hochwasser, Sturm, Vandalismus).

Die Haftung für Schäden am Bauobjekt teilen sich Bauherrin/Bauherr und Bauunternehmerin/Bauunternehmer gemäß VOB Teil B § 7 wie folgt: Für unabwendbare Ereignisse (Krieg, höhere Gewalt, Aufruhr) hat die Bauunternehmerin/der Bauunternehmer Anspruch auf Ersatz ihrer/seiner Leistungen durch die Bauherrin/den Bauherren (Bauherrenrisiko). Für sonstige Ereignisse (z. B. ungewöhnliche Witterungsverhältnisse) muss die Bauunternehmerin/der Bauunternehmer Ersatz leisten. Ein Anspruch auf Erstattung ihrer/seiner Leistungen durch die Bauherrin/den Bauherren steht ihr/ihm nicht zu (Unternehmerrisiko).

Ist die Bauherrin/der Bauherr Versicherungsnehmerin/Versicherungsnehmer, wird zumeist vereinbart, dass die Prämie für die Bauleistungsversicherung auf die Bauunternehmerinnen/Bauunternehmer im Anteil ihrer Gewerke umgelegt wird.

Die Bauleistungsversicherung deckt keine Feuerschäden am Rohbau, daher sollte die Bauherrin/ der Bauherr schon zu Baubeginn eine Wohngebäudeversicherung abschließen. Damit sind Feuerschäden dann bereits während der Bauphase für sechs bis zwölf Monate in der Regel beitragsfrei mitversichert.

Als Hausbesitzerin/Hausbesitzer haften Sie für zahlreiche Risiken. Besonders teuer werden Schäden an Gewässern, z. B. durch auslaufendes Heizöl. Als Eigentümerin/Eigentümer eines Heizöltanks sollten Sie deshalb die Gewässerschadenhaftpflichtversicherung mit in Ihre Wohngebäudeversicherung integrieren.

Weitere Informationen:

Bauberufsgenossenschaft der Bauwirtschaft Bezirksverwaltung Hamburg

Holstenwall 8-9, 20355 Hamburg